Fensterratgeber Teil 1: Wärmeschutz, Sonnenlicht und Luftwechsel

Ob Sie ein neues Haus bauen oder eine bestehende Immobilie sanieren möchten: ohne gute Fenster geht es nicht. Dass neue Fenster gut zu bedienen sind und sich leicht öffnen und schließen lassen, ist selbstverständlich. Im Detail treten Fragen auf, die sich nicht ganz so einfach beantworten lassen. In diesem dreiteiligen Fensterratgeber haben wir alle notwendigen Informationen so knapp wie möglich zusammengestellt, um Sie durch die Wahl neuer Fenster zu geleiten.

  • In diesem Teil vom Fensterratgeber behandeln wir die energetischen Eigenschaften von Fenstern.
  • Im zweiten Teil geht es um Schallschutz & Sicherheit von Fenstern.
  • Im dritten Teil (folgt) zeigen wir Ihnen Fensterpreise, Fördergelder und Tipps zur Montage und Pflege.

Die Wärmeschutzeigenschaften von Fenstern

U-Wert Fenster

Moderne Fenster halten die Wärme deutlich besser im Raum, Bildquelle: SimSys, Wikipedia, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Wärmeschutz: Neben den ästhetischen und praktischen Gesichtspunkten zählt der Wärmeschutz zu den dringendsten Aufgaben der Fenster. Deshalb sollten Sie genau auf die energetischen Kennwerte der Fenster Acht geben. Der wichtigste Indikator ist der Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert). Dieser Wert repräsentiert den Umfang an Wärme, der ein Bauteil passiert. Er wird in W/(m2K) angegeben. Die einzelnen Teile eines Fensters haben jeweils einen eigenen U-Wert: Der U-Wert der Verglasung heißt Ug-Wert (Glazing/Verglasung), der U-Wert des Rahmen ist der Uf-Wert (Frame/Rahmen) und das Fenster insgesamt wartet mit dem Uw-Wert auf (Window/Fenster). Je niedriger (näher Null) der U-Wert liegt, desto schlechter entweicht Wärme durch das Fenster.

Fensterrahmen: Das Material des Fensterrahmens hat großen Einfluss auf den U-Wert des Bauteils. Der U-Wert von Kunststoff liegt im Mittelfeld, dafür sind diese Fenster preiswert und pflegeleicht. Holz ist teurer als Kunststoff und pflegeintensiver, hat aber einen besseren U-Wert. Aluminiumfenster sind am teuersten und litten lange unter einem vergleichsweise schlechten U-Wert, sind allerdings außerordentlich stabil und langlebig.

Fensterverglasung: Die Verglasung ist ebenso wichtig wie das Rahmenmaterial. Die Wahlmöglichkeiten sind hier geringer, da die gesetzliche Anforderung an den U-Wert Fenster mit Einfachverglasung oder ältere Doppelverglasung von vornherein ausschließt. Im Prinzip bieten sich für neue Fenster nur Modelle mit einer guten Zweischeiben-Wärmeschutzverglasung oder einer Dreifachverglasung an.

Gesetzliche Vorgaben: Der Gesetzgeber hat in der Energieeinsparverordnung 2014 (EnEV) eine Obergrenze für den U-Wert festgelegt: sie liegt bei 1,3 W/(m2K). Dies ist der Mindestwert, den Sie beim Kauf neuer Fenster einhalten müssen. Moderne Fenster unterschreiten diesen Wert stellenweise deutlich. Gerade bei der Altbausanierung muss man Budgetgrenzen und den restlichen Baukörper im Blick behalten. Ein Passivhausfenster ist nicht unbedingt entscheidend, wenn sich dafür ein Großteil der Heizenergie durch das Dach verabschiedet. Man muss also die richtige Balance zwischen Budget und langfristigen Einsparungen finden.

Wirtschaftlichkeit: Mit unserem Fensterrechner bekommen Sie eine gute Ersteinschätzung über die wahrscheinlichen Kosten und Ersparnisse beim Einbau neuer Fenster. Knapp zusammengefasst lässt sich sagen, dass Sie bei einem Austausch alter Fenster mit Einfachverglasung oder einem Kastenfenster durchaus von einer Wirtschaftlichkeit des Tausches ausgehen können. Ab einer doppelt verglasten Scheibe sollten Sie den Fachmann vor Ort einmal gegenrechnen lassen.

Sonnenlichtmanagement & solare Gewinne

U-Wert & g-Wert

Das Zusammenspiel von U-Wert & g-Wert, Grafik: Interpane

Sonneneinstrahlung ist ein weiterer Gesichtspunkt bei der Fensterwahl. Im Winter hat man oft zuwenig Licht im Haus, dafür würde man im Sommer gerne mal ein wenig davon in die kalte Jahreszeit hinüber retten. Sonnenschutzverglasung ist (neben herkömmlichen Jalousien oder Rolladen) eines der Mittel, der variierenden Sonneneinstrahlung Herr zu werden. Die Sonnenstrahlen sind aber nicht nur aus Beleuchtungsgründen interessant. Sie bringen Wärme ins Haus. Auch hier gilt es, einen tragfähigen Kompromiss zu finden: eine Verglasung, die im Sommer nicht zu viel Licht hineinlässt, dafür aber im Winter ausreichend Energie ins Haus bringt.

Kennzeichen für diese Frage sind der Energiedurchlasswert (g-Wert) und der Lichttransmissionsgrad (tL-Wert). Letzterer beschreibt, wie viel für den Menschen sichtbares Licht die Verglasung passiert, ist aber nicht zwingend ein Indikator für die einfallende Gesamtenergie (g-Wert). Der g-Wert reicht von 0 bis 1 oder wird in Prozent angegeben. Ein g-Wert von 0,6 / 60% bedeutet, dass sechzig Prozent der eintreffenden Energie die Verglasung in die Räumlichkeiten passieren.

Je nachdem, auf welcher Hausseite die Fenster eingebaut werden, kann es interessant sein, mit diesen Werten zu experimentieren. Beispielsweise könnte man auf der Südseite Fenster mit einem höheren Energieduchlassgrad wählen, so dass ganzjährig (und besonders in den Übergangszeiten) mehr Energie in das Haus gelangt und im Sommer durch einen innen- oder außenliegenden Sonnenschutz für Beschattung sorgen. Das kann die Energiebilanz eines Gebäudes deutlich positiv für die Heizkosten beeinflussen. Allerdings müssen Sie Schwerpunkte setzen, denn Fenster mit einem hohen g-Wert haben oft schlechtere U-Werte. Bei der Südseite eines Gebäudes kann man aber mit großzügigen Fensterflächen und einem hohen Durchlassgrad oft eine positive Energiebilanz erwarten.

Neue Fenster verändern den Luftwechsel in einem Gebäude

Frau öffnet Fenster zum Lüften

Bei neuen Fenstern reicht Kipplüften oft nicht mehr aus. Hier ist regelmäßiges Stoßlüften ratsam. © Gina Sanders - Fotolia.com

Luftwechsel: Fenster waren früher wortwörtlich nicht ganz dicht. Aktuelle Varianten sind demgegenüber praktisch luftdicht montiert (wenn die Montage fachgerecht erfolgt). Das spart zwar viel Energie, führt aber in manchen Fällen zu Problemen. Denn undichte alte Fenster sorgen immerhin für einen Mindestluftwechsel im Gebäude. Ist die Luftwechselrate nicht mehr ausreichend, kann die Feuchtigkeit nicht hinaus und schlägt sich innerhalb des Hauses nieder. Das begünstigt Schimmelbildung, falls das eigene Lüftungsverhalten nicht hinreicht.

Merkt der Fachmann vor Ort Zweifel am Luftwechsel an, sollte ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 erstellt werden. Im Altbau ist dies bei einer Erneuerung von einem Drittel der Gesamtfläche an Fensterfläche des Hauses anzuraten. Im Neubau ist das inzwischen ohnehin geboten. Oft reicht gewissenhaftes Stoßlüften noch aus, manchmal sind aber zusätzliche Installationen wie Fensterlüfter oder eine kontrollierte Wohnraumlüftung notwendig. Sprechen Sie denn Fachmann vor Ort am Besten auf diese Frage an, falls er sich nicht von sich aus dazu äußert.

Suchen Sie einen kompetenten Experten für Fensterbau? Hier finden Sie Fachbetriebe für Fenster aus Ihrer Region. Diese beraten Sie gerne direkt vor Ort gerne weiter.